Erinnerungen von Eder Hanni, geb. Seiwald - "Blattl-Hanni"

Schulauflug nach Hallein 1953
Skirennen am Mühlbichl 1957

Ich bin Jahrgang 1945 und das vierte von sechs Kindern zu "Blattlern" auf der Sonnseite. Alle Geschwister gingen acht Jahre in unsere Jodlerschule. Wir waren drei Erstklässler, zwei Buben, ich aber als Mädchen allein. So wenige Kinder in der früher überfüllten Schule? - Ja, viele Väter waren in unseren Geburtsjahren im Krieg - genug der Erklärung!

Die ersten zwei Jahre hatten wir Fräulein Oberlindober, eine junge hübsche und fröhliche Lehrerin. Ich hatte sie sehr gerne. In den Pausen erzählte ich ihr alles Mögliche von daheim ganz unverblümt. Meine älteren Schwestern schämten sich manchamal für mich und rüffelten mich unsanft. So auch, als mich einmal das Fäulein fragte, wie denn diese Blume hieße (Glockenblume) - ich schnellte heraus - "Rotzglocke!" - "Aber Hanni!" Ja die Geschwister haben mir das mit der Blume eingeredet.

 Ab der 4. Stufe unterrichtete uns dann Herr Oberlehrer Pürstl, ein strenger, aber guter Lehrer. Wir "Blattl-Kinder" haben gern gelernt, so hatten wir es ja gut, aber wer faul im Lernen war, musste viel Tadel einstecken. Freche Buben erzog er auf seine Weise mit dem Haselnussstecken. So musste manchmal ein Schüler mit in die Kanzlei - o weh, da hörten wir dann Schreie und gar Schläge. Mir erbarten die Gezüchtigten dann immer sehr, wenn sie dann hinter dem erzürnten Lehrer zurück in die Klasse schlichen.

Ich ging gern in die Schule, in den letzten Jahren haben sich Freundschaften entwickelt, die bis heute halten. Bei einem Wiedersehen erzählen wir gerne von früher. So sagte einmal eine Mitschülerin: "Weißt du noch, wie du in der Religionsstunde die Dreifaltigkeit verstanden hast?" - Ja, ja da hat der Herr Katechet Dr. Müller die Dreifaltigkeit erklärt und hat bemerkt, wie ich mit meiner Nachbarin schwätze. Er war wütend und schrie: "Seiwald! Hast du das verstanden?" Ich war etwas verdattert und sagte gleich: "Ja, Herr Katechet". Da ging das Donnerwetter erst richtig los! "Was, die Dreifaltigkeit willst du verstehen? Wenn nicht einmal der hl. Antonius, der Gelehrte, der Heilige, es verstanden hat. Das kann man nicht verstehen, das kann man nur glauben." Mein zartes Gewissen gebot mir, nach der Religionsstunde mich bei Hochwürden zu entschuldigen: "Ich, ... ich habe nicht aufgepasst Herr Pfarrer, ich versteh´ das natürlich auch nicht mit der Dreifaltigkeit."

Unser Schulweg war oft eine gefährliche Sache. Der kürzeste und für uns übliche Weg war von der Sonnseite neben dem Blattlbachl entlang, dann direkt über die Eisenbahn auf die andere Seite. Da gab es keinen Bahnschranken, nur die Signale für den nächsten Schranken konnten wir sehen. War das Signal zu, überquerten wir die Geleise. Unser Weg führte dann der Eisenbahn entlang bis zum wackeligen Achensteig, dort überquerten wir dann Ache und Bundesstraße, da war es ja zur Schule nimmer weit. Gerne schaukelten die großen Buben den Steg, wenn wir in der Mitten waren so auf, um uns Mädchen und jüngeren Schülern Angst zu machen. Das schmale Schulwegerl der Eisenbahn entlang war oft verschneit und vom Bahnschneepflug so zugeschüttet, dass nur die großen Buben die Kraft hatten, voraus zu waten. Diese machten dann so große Schritte, dass wir uns hüpfend hinterher plagen mussten. So kamen wir manchmal in Versuchung, nach den Geleisen zu gehen, was uns wohl streng verboten war. Als nun wieder einmal unser Wegerl total zugeweht und kein Vorankommen war, glaubten wir wohl, gut aufzupassen und liefen schnell nach den Geleisen. Da kam der Zug - lautes Aufheulen - und wir kugelten im letzten Moment nur so in den tiefen Schnee hinaus. Da haben wohl der Schutzengel und ein aufmerksamer Lokführer mti seinem Signalpfeifen zusammengeholfen, um uns zu retten.

Mitte der 50-er Jahre wurde die Fieberbrunnerstraße hergerichtet und erstmals asphaltiert. Das war so ein Ereignis, dass wir mit unseren Lehrpersonen hinübergingen, um zuzuschauen. Hernach mussten wir einen Aufsatz schreiben: "Unsere Straße wird asphaltiert".

In der 8. Schulstufe konnten Bauernkinder auf Ansuchen ab Mai "sommerfrei" werden, zur Arbeit versteht sich. Vater hätte es gern gesehen, aber Mutter stand bei uns und sagte: "Lass sie gehen, arbeiten können sie noch genug." Ich war ihr sehr dankbar dafür.

Aus dieser zweiklassigen Volksschule haben später einige studiert ohne Hauptschule. Als später alles in die Hauptschule ging, haben die "Jodlerschüler" den Übergang meist gut geschafft. Unsere Schule habe ich in bester Erinnerung, wenn ich dort zu tun hatte für unsere Kinder und jetzt für die Enkelin hinkomme oder zur Wahl gehe, spüre ich noch diese vertraute und heimelige Atmosphäre. Möge unsere Jodlerschule immer bestehen bleiben!